Bergbaugebiet Freiberg

Das Bergbaugebiet Freiberg oder die Montanlandschaft Freiberg hat an 7 Orten 20 Einzelobjekte. Darunter fällt allerdings z.B. auch die historische Altstadt von Freiberg oder mit Muldenhütten große komplexe Standorte. Die Landschaft ist die älteste und am längsten betriebene Silber- und Erzfundstätte Sachsens. Bereits 1168 wurden erste Funde, zunächst oberflächennah, bekannt. Eine lebhafte Besiedlung und der Abbau zunächst der Silbererze setzte ein. Man schürfte anfangs bis in eine Tiefe bis ca. 25 Meter. Die Funde erschöpften jedoch schnell und Anfang des 14. Jahrhunderts betrug die jährliche Ausbeute nur noch ca. 170 kg Silber. Erst nach dem 30jährigen Krieg, also nach 1648, stieg die Ausbeute durch neue technologische Möglichkeiten und erreichte Anfang des 18. Jahrhunderts ca. 6.000 kg jährlich. Um 1800 herum lag die Förderung bei ca. 11.500 kg und 1850 bereits bei 20.000 kg. 1868 förderten 9.200 Bergleute 32.910 kg Silber.

In dieser Zeit setzte der Absatz mexikanischen, chilenischen und peruanischen Silbers die Preise in Europa unter Druck und machte die Förderung im Erzgebirge unrentabel. Bis auf wenige Ausnahmen kaufte der sächsische Staat die Bergbauunternehmen 1886 um die Arbeitsplätze zu erhalten und durch Rationalisierung wieder konkurrenzfähig zu machen. Das gelang nur zum Teil und bis ca. 1913 wurden die meisten Gruben geschlossen. Wenige förderten noch bis 1969 Zink und Blei.

Administratives Zentrum des Gebietes war Freiberg, das ehemalige Christiansdorf. Hier etablierte sich eine staatlich gelenkte Zentralverwaltung, das Sächsische Oberbergamt,  für sämtliche bergbaulichen Aktivitäten des gesamten Erzgebirges. Vom Erzabbau über das Hüttenwesen bis zu den Münzen. Damit waren auch große Zusammenhänge in den Revieren zu überblicken und Großprojekte wie komplexe Entwässerungssysteme zu realisieren. Mit der Bergakademie Freiberg stand eine einzigartige Bildungseinrichtung zur Verfügung.
In Brand- Erbisdorf finden sich zunächst 2 Objekte:
Die Bergbaulandschaft Goldbachtal ist geprägt vom Schacht Einigkeit Fundgrube. Erhalten sind die Halden, das Huthaus mit Schmiede, heute Museum, von 1837, und das Pulverhaus von 1840, abseits gelegen.

2. Objekt ist die Alte Mordgrube Fundgrube. Deren Schacht, der Mendenschacht ist verfüllt. Die Übertageanlagen, Huthaus, Bethaus, Kaue, Kohlehaus und die Bergschmiede sind Wohnhäuser. Das Kesselhaus eine Gaststätte.
Gemeinsam mit Freiberg existiert noch ein weiteres Objekt: die sog. Revierwasserlaufanstalt. 1684 als Kurfürstliche Stolln- und Röschenadministration gegründet versorgte sie die Kunstgezeuge in den Freiberger Gruben mit Aufschlagwasser, welches dann aber mehrfach genutzt wurde. 70 km Gräben und 11 Kunstteiche sind so im Laufe der Zeit entstanden. Als Staumeisterei gehört sie heute zur Landestalsperrenverwaltung.

Hauptbestandteil und, als Einzelobjekt nochmals ausgewiesen, ist der Rothschönberger Stollen. Mit 51 km Länge, zwischen 1844 und 1882 aus dem Berg geschlagen, unterfährt er sämtliche Schächte des Freiberger Revieres und sorgt für eine kontinuierliche Entwässerung. 685 Liter Wasser pro Sekunde verlassen so den Berg. Noch heute ist er unverzichtbar für den reibungslosen Betrieb z. B. für die Bergwerke der TU Freiberg.

Freiberg hat eine wunderschöne mittelalterliche Altstadt Renaissance und Barockarchitektur der Bürgerhäuser wechselt sich ab. Herausragend: das Rathaus am Oberen Markt, der Dom, das Oberbergamt oder das Hauptgebäude der ältesten, noch lehrenden, montanwissenschaftlichen Einrichtung der Welt – die Bergakademie Freiberg.
In Zug, noch zu Freiberg gehörend, findet sich der Drei Brüder Schacht. Ab 1791 abgeteuft, wurden Blei, Kupfer und Silber in mäßigen Mengen gewonnen. Der Schacht wurde bis 1901 betrieben, jedoch nicht geschlossen. So konnte ab 1913 ein Kavernenkraftwerk eingebaut werden und bis 1972 in 272 m Tiefe Elektroenergie erzeugt werden. Eine Ausstellung über das Wasser ist zu sehen und die Übertageanlagen können besichtigt werden.

Nicht weit entfernt ist die Beschert Glück Fundgrube. Das Huthaus, die älteste Freiberger Scheidebank (beides Wohnhäuser) und am Giebel eines Hauses die schematische Darstellung der ehemaligen Untertage Anlagen ist hier zu sehen.

Der z.Z. ruinöse Komplex Muldenhütten kann nicht besichtigt werden, mit der Sicherung der Substanz wird z.Z. der erste Schritt zur Erhaltung des ältesten, noch in Betrieb befindlichen, Hüttenstandortes Deutschlands getan.

Der Bergwerkskomplex Himmelfahrt Fundgrube wurde bereits 1384 in einem Vertrag erwähnt und gehört damit zu den ältesten, nachweisbaren Bergwerken Freibergs. Zu ihm gehören die Schächte Alte Elisabeth, Reiche Zeche und heute die Übertageanlagen des Abraham Schachtes. Hier sind noch alle Gebäude nach dem Stand von 1850, Scheidebank, Huthaus, Bergschmiede, Treibehaus und Verwaltungsgebäude, erhalten. Die anderen beiden Zechen hatten in den 1860iger Jahren eine Belegschaft von ca. 2900 Personen und brachten zwischen 1840 und 1896 448 Tonnen Silber aus. Sie werden heute, als einzige weltweit, von einer Universität betrieben. Dabei dient die Reiche Zeche der Ausbildung von Studenten und die Alte Elisabeth wird im Rahmen der Ausbildung in ihrem alten Bestand erhalten.

Großschirma: Die Grube Alte Hoffnung Gottes Erbstollen wurde von 1741 bis 1928 durchgehend betrieben. Der Schacht war 531 m tief. Die Grube war eine der ertragreichsten des Freiberger Reviers. Erhalten ist die Bergschmiede, das Huthaus, das Steigerhaus (heute Wohnhäuser) sowie das Schachthaus (heute Gewerbe Immobilie)
Die Grube Churprinz August Friedrich Erbstollen war für mich nicht zu erreichen, da sie auf privatem verschlossenem Gelände liegt. Von dieser Grube ging ein sog. Erzkanal zum Hüttenkomplex Halsbrücke, auf dem mit Booten das Erz dahin getreidelt wurde. Dazwischen mussten die Boote in einer Bootshebeanlage gehoben werden. Das älteste Schiffshebewerk der Welt.

Vom Hüttenkomplex Halsbrücke stehen noch das ruinöse Haus des Schlackebades und ein Teil des Aquäduktes zur Heranführung von Löschwasser für das Amalgamierwerk. Im Schlackebad wurde Wasser an der heißen Schlacke erwärmt und dabei die Mineralien der Schlacke aufnahm. Dieses warme Wasser wurde zu Bade- und Heilzwecken in diesem Schlackebad verwendet.


Das aus den Mundlöchern im Tal der Mulde austretende Wasser wurde im Roten Graben gesammelt und als Aufschlagwasser dem Hüttenkomplex in Halsbrücke, später auch der Grube Churprinz zugeleitet.

Es ist unheimlich mühsam, die aufgelisteten, manchmal kaum verortbaren Bestandteile aufzusuchen, zu besichtigen und zu fotografieren. Hin und wieder führen die Spuren auch zu Objekten, die nicht zugänglich sind und darum nicht besichtigt werden können. Manche werden mit viel Mühe von Vereinen ehrenamtlich betreut, sodass man unverrichteter Dinge wieder wegfahren muss, da die Leute grad keine Zeit haben oder der Anfahrtsweg zu weit ist.

13.07. 2020

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