12 Wochen und drei Tage Japan und Südkorea. Dabei hatte ich in Japan eine Woche und in Südkorea zwei Tage Regen. Den Rest der Zeit schönes Wetter, wobei in Südkorea die Temperaturen fast ständig jenseits der 30 Grad Marke waren.
Das mir aus der westlichen Welt bekannte freie Stehen mit dem Camper gibt es in Japan in einer extremen Form. Am frühen Morgen schälen sich nicht nur Menschen aus Campern, sondern auch aus normalen PKW. Da sind oft auch teure Modelle dabei und nicht selten kommen mehr als 20 Übernachtungsautos zusammen. Anders in Südkorea, da soll, lt. meinem Vermieter, seit vergangenem Jahr das Übernachten auf öffentlichen Parkplätzen komplett verboten sein. Ich habs deswegen garnicht erst probiert und hab in Hotels übernachtet. Auf den Straßen hab ich auch nur extrem wenige Camper gesehen. Wenn ich der Werbung glauben soll, ist hier das Camping auf Campingplätzen mit Zubereitung von üppigen Mahlzeiten populär oder eben gleich das Glamping – campen auf Luxusniveau in, von den Campingplätzen bereitgestellten, Luxusunterkünften.
In beiden Ländern gleich ist eine, für meine Verhältnisse, extreme Verpackungssucht. Kekse z.B. werden einzeln verpackt und kommen dann erst in eine Tüte. Das betrifft auch Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, einfach alles. Südkorea hat wenigstens hin und wieder noch Marktviertel in denen es anders zugeht. Auch die Landwirtschaft beteiligt sich an solchem Gebaren. Millionen von Quadratmetern Plastikfolien sind in beiden Ländern auf den Feldern verbracht um offensichtlich den Unkraut Aufwuchs einzudämmen. Auf den Feldern werden Folien ausgelegt, mit Löchern versehen und in diese wird eine einzelne Pflanze gesetzt. Das betrifft nicht den Reis, sondern alle anderen Feldfrüchte. Beim Reis sind die Bauern beider Länder die absoluten Bewässerungsprofis. Das Wasser fließt von Feld zu Feld in gemächlichem Tempo und bleibt nirgends stehen, unglaublich.
Ich hab den Eindruck, dass man Welterbestätten anders sieht als in der westlichen Welt. Es ist hier eine starke spirituelle Komponente dabei, die manchmal die physische Erscheinung in den Hintergrund treten lässt. Die Ahnenverehrung ist so ein Beispiel. Könige, die vor Jahrhunderten verstorben sind werden genauso angebetet, als wären sie gestern erst verstorben. Oder Welterbestätten, von denen fast nichts mehr vorhanden ist außer die Erinnerung an vergangene Ereignissen und wo die Leistungen der damaligen Protagonisten gewürdigt werden sollen. Dazu passt dann auch, dass alte Substanz kurzerhand neu aufgebaut wird. Für mich hatte das den Vorteil, dass ein lebendiges Bild des ehemaligen Zustandes erlebbar wird.
Sehr überrascht hat mich der Umgang mit den Welterbestätten, und sicher nicht nur mit diesen, in Südkorea.Fast alle Welterbestätten sind frei zugänglich und wenn Eintritt verlangt wird, dann habe ich höchstens 4000 Won erlebt, das sind ungefähr 2,50 €, wobei ich natürlich nicht die Einkommensverhältnisse kenne. Kinder und Personen über 64 Jahre bezahlen keinen Eintritt. Die Stätten sind üppig mit Parkplätzen und Toiletten ausgestattet und in vielen Fällen gibt es noch einen Erlebnispark in der Nähe um die Stätten, so habe ich es empfunden, auch für Familienausflüge interessant zu machen.
Beim Verkehr gibt es schon ein paar Unterschiede zwischen Japan und Südkorea. In Japan wird deutlich disziplinierter gefahren. Die Autos in Südkorea sind größer als in Japan, dort gibt es eine ausgeprägte Kleinwagenszene. Auf japanischen Straßen hat man öfter das Gefühl, ein europäisches Automodell zu sehen, das sich dann aber als Einheimisches herausstellt. Japanische wie Südkoreanische Straßenbauer aber haben großen Nachholbedarf in der Einbindung von Gullydeckeln in die Fahrbahnen. Das gelingt in den wenigsten Fällen und es holpert oft ganz schön.
Gebaut wird in beiden Ländern auf sehr engem Raum. Kleinere Häuser haben oft nicht mehr als vielleicht einen Meter Land um die Gebäude. Der wird dann mit Schotter aufgefüllt und für Vegetation bleibt nur der Vorgarten. Dabei werden einzelne Pflanzen eher wie exotische Tiere behandelt.
Extrem unterschiedlich ist die Bebauung. In Japan wird die Landschaft sehr zersiedelt durch kleine Häuser, schön zu sehen vom Tokioer Fernsehturm. Die Südkoreaner setzen eher auf Hochhäuser mit bis zu 54 Stockwerken. 4 – 5 solcher Hochhäuser stehen oft zusammen, sind eingefriedet und parkähnlich gestaltet mit Sitzgruppen und Spielplatz. Untendrunter manchmal mehrstöckige Tiefgaragen.
Insgesamt eine völlig andere Kultur und andere Lebensumstände. Es war interessant, das mal zu sehen aber ein Leben auf Dauer könnte ich mir da nicht vorstellen………