und nun in großen Schritten in den Norden……

in Tomioka existiert noch eine Rohseidenfabrik, deren Anfänge in den 1870iger Jahren lag.
Seide war weltweit gefragt und die Produzenten in Japan achteten eher auf Masse, statt auf Qualität. Um verheerende Folgen für die japanische Wirtschaft abzuwenden wollte die japanische Regierung einen Musterbetrieb aufbauen und beauftragte damit den Franzosen Paul Brunat. Es sollte auf Qualität geachtet und gleichzeitig Fachkräfte ausgebildet werden. Die Maschinen dazu kamen, wen wunderts, aus Frankreich und der Betrieb lief bis 1987. Danach wurde er Museum und zum nationalen Kulturgut erklärt. Hatte er doch seit seinem Bestehen entscheidend zur Hebung des Qualitätsniveaus japanischer Seide beigetragen und damit einen großen Beitrag zum Weg Japans in das Industriezeitalter geleistet. Bestandteil der Stätte ist neben der Fabrik eine Musterfarm, eine Ausbildungsstätte und eine
Kühleinrichtung für Seidenraupeneier um die längere Zeit zu lagern. Bei der Kühlanlage angekommen, wurde mir erklärt, dass dies nicht zugänglich sei, da ein Bär in der Gegend sein „Unwesen“ treibe. Nicht mal in Kanada habe ich eine Welterbestätte wegen eines Bären nicht besuchen können.

Es gibt eben immer ein erstes mal.

Die Parkplätze um das Gelände der Fabrik waren begrenzt und so bin ich mit der einzigen Vorortbahn, die es dort gibt ins Zentrum von Tomioka gefahren. Bei dem Bahnbetrieb habe ich noch nie soviel Formalismus erlebt. Den einzigen Bahnsteig, den es für den Zug gibt bewachten zwei Schaffner und die ließen mich erst drauf so 5 min vor Abfahrt. Dabei stempelten sie meine Fahrkarte ab. Zusteigen im Zug konnte ich nur an der ersten Tür und drinnen stand der Zugführer und kontrollierte nochmal. Am Ende der Fahrt sammelte der Zugführer die Fahrkarten von allen Passagieren wieder ein. Was das soll………..

Nächstes Ziel war Nikko das einen großen Bezirk heiliger Tempel und Schreine hat. Der buddhistische Tempel geht auf 766, als ein Mönch die ersten Bauten ausführen ließ. Zwei Shintoschreine kamen im laufe der Zeit dazu und viele Pilger kamen. Heute umfasst der Tempelbezirk ca. 50 Hektar am Fuße der Nikko Berge, die als heilig gelten. Zwei Besonderheiten gibt es hier. Da sind zum Einen die Schirmakazien, die Mönche im 17. Jahrhundert auf dem Gelände in großer Zahl pflanzten und heute einen Wald aus 400 Jahre alten mächtigen Bäumen bilden. Zum Anderen stammen von hier die sog. Nikkoaffen. Die sind heute in aller Welt und jeder kennt sie. Schnitzer habe den „Stall des heiligen Pferdes“ verziert um Kinder zu belehren: „nichts hören, nichts reden, nichts sehen“

Fukushima hatte ich gestern erreicht und dort bei fast 30 Grad die Nacht verbracht. Das war nicht so prickelnd und heute hoffe ich, noch Hiraizumi zu erreichen, meine letzte Welterbestätte hier im Norden……….

1 Kommentar

    • Wolfgang Schöler auf 11. Juli 2026 bei 9:38
    • Antworten

    Lieber Lothar, wir haben wieder mit viel Interesse deine Berichte gelesen und die Fotos angesehen. Es ist schon so, wie Humboldt sagte, wer eine Weltanschauung vertritt, sollte sich die Welt auch ansehen… obwohl die drei Affen hier auch allerorts zu treffen sind und ich habe gerade in Berlin weilend, so meine Anschauung, wobei mir das Wissen um die Lehren der Stoa ganz hilfreich sind! Wir wünschen Dir weiterhin viele ereignisreiche Tage bei gemäßigten Temperaturen 🙏.
    LG Wolfgang

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