und langsam geht es zu Ende………

in Hiraizumi habe ich zweimal übernachtet. Zum Einen besuchte ich noch eine Teilstätte der Meiji Industrierevolution in den Bergen. Eisenerz wurde lange verhüttet dort um später daraus Schiffe zu bauen. Reste von drei Hochöfen aus Granit waren zu sehen.

Hiraizumi hatte im 11. und 12. Jahrhundert mal den Status der Hauptstadt eines Kaiserreiches im Norden. Drei dieser Kaiser herrschten hier, dann war es schon wieder vorbei. 1189 wurde die Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Die Herrscher wollten nach der buddhistischen Lehre vom Reinen Land ein Paradies auf Erden schaffen und ließen um Tempel und Schreine herum Gärten anlegen, die auf den heiligen Berg Mt. Kinkeisan ausgerichtet waren. Zwei dieser Gärten sind wieder rekonstruiert worden, die anderen Beiden sind archäologisch noch nicht erfasst. Ein goldener Tempel hat die Zerstörung von 1189 überlebt und kann in einem eigens errichteten Haus besichtigt, aber nicht fotografiert werden.

Der Neffe mit seiner Frau war mittlerweile auch in Japan eingetroffen. Die Beiden wollen diesmal Hokkaido unsicher machen. Auf ihrer Fahrt in den Norden machten sie in Sendai Pause. Und da das sowieso meine Richtung war, haben wir uns dort zum Frühstück getroffen.

Ich bin dann weiter zur Insel Sado an der Westküste nochmal. Die Fährüberfahrt war mal was ganz Neues für mich. In der zweiten Klasse gabs nur Teppichbelag auf dem Fußboden und jeder lagerte sich, wie es ihm gefiel. Viele schliefen am Ende.

Auf Sado wurde seit dem 12. Jahrhundert Gold abgebaut und Japan war deshalb im 17. Jahrhundert der größte Goldproduzent der Welt. Das ist aber seit 1989 Geschichte, als das letzte Bergwerk geschlossen wurde.

Wichtiger als meine letzte Welterbestätte war aber die Tatsache, dass auf der Insel die bekannte Taiko Trommelgruppe KODO ihren Sitz hat. Es gibt ein Besucherzentrum, das ich besuchte und auch die großen Trommeln mal ausprobierte.
Leider gabs nicht mal Bachis, die Trommelstöcke des Taiko, um als Erinnerungsstücke mit nach Deutschland zu fliegen.

Am nächsten Dienstag gebe ich den Camper wieder ab und so fahr ich jetzt noch einmal quer durch Japan an Tokio vorbei und als Ausgleich für den Anfang mal durch wunderschöne Landschaft……….

und nun in großen Schritten in den Norden……

in Tomioka existiert noch eine Rohseidenfabrik, deren Anfänge in den 1870iger Jahren lag.
Seide war weltweit gefragt und die Produzenten in Japan achteten eher auf Masse, statt auf Qualität. Um verheerende Folgen für die japanische Wirtschaft abzuwenden wollte die japanische Regierung einen Musterbetrieb aufbauen und beauftragte damit den Franzosen Paul Brunat. Es sollte auf Qualität geachtet und gleichzeitig Fachkräfte ausgebildet werden. Die Maschinen dazu kamen, wen wunderts, aus Frankreich und der Betrieb lief bis 1987. Danach wurde er Museum und zum nationalen Kulturgut erklärt. Hatte er doch seit seinem Bestehen entscheidend zur Hebung des Qualitätsniveaus japanischer Seide beigetragen und damit einen großen Beitrag zum Weg Japans in das Industriezeitalter geleistet. Bestandteil der Stätte ist neben der Fabrik eine Musterfarm, eine Ausbildungsstätte und eine
Kühleinrichtung für Seidenraupeneier um die längere Zeit zu lagern. Bei der Kühlanlage angekommen, wurde mir erklärt, dass dies nicht zugänglich sei, da ein Bär in der Gegend sein „Unwesen“ treibe. Nicht mal in Kanada habe ich eine Welterbestätte wegen eines Bären nicht besuchen können.

Es gibt eben immer ein erstes mal.

Die Parkplätze um das Gelände der Fabrik waren begrenzt und so bin ich mit der einzigen Vorortbahn, die es dort gibt ins Zentrum von Tomioka gefahren. Bei dem Bahnbetrieb habe ich noch nie soviel Formalismus erlebt. Den einzigen Bahnsteig, den es für den Zug gibt bewachten zwei Schaffner und die ließen mich erst drauf so 5 min vor Abfahrt. Dabei stempelten sie meine Fahrkarte ab. Zusteigen im Zug konnte ich nur an der ersten Tür und drinnen stand der Zugführer und kontrollierte nochmal. Am Ende der Fahrt sammelte der Zugführer die Fahrkarten von allen Passagieren wieder ein. Was das soll………..

Nächstes Ziel war Nikko das einen großen Bezirk heiliger Tempel und Schreine hat. Der buddhistische Tempel geht auf 766, als ein Mönch die ersten Bauten ausführen ließ. Zwei Shintoschreine kamen im laufe der Zeit dazu und viele Pilger kamen. Heute umfasst der Tempelbezirk ca. 50 Hektar am Fuße der Nikko Berge, die als heilig gelten. Zwei Besonderheiten gibt es hier. Da sind zum Einen die Schirmakazien, die Mönche im 17. Jahrhundert auf dem Gelände in großer Zahl pflanzten und heute einen Wald aus 400 Jahre alten mächtigen Bäumen bilden. Zum Anderen stammen von hier die sog. Nikkoaffen. Die sind heute in aller Welt und jeder kennt sie. Schnitzer habe den „Stall des heiligen Pferdes“ verziert um Kinder zu belehren: „nichts hören, nichts reden, nichts sehen“

Fukushima hatte ich gestern erreicht und dort bei fast 30 Grad die Nacht verbracht. Das war nicht so prickelnd und heute hoffe ich, noch Hiraizumi zu erreichen, meine letzte Welterbestätte hier im Norden……….

die Welterbestätten westlich von Tokio………

Shirakawa, der Ort steht stellvertretend für zwei weitere Orte, Ogimachi und Gokayama. Hier gibt es eine ganz spezielle Bauernhausarchitektur zu bewundern. Weit ab von der übrigen Welt entwickelte sich in der Abgeschiedenheit der Berge eine spezielle Bauweise, die Gassohäuser.
Die Winter waren hart, Schnee gab es viel, also baute man die Dächer steil, damit der Schnee abrutschte. Das sah aus wie zum Gebet gefaltete Hände, im japanischen der Begriff „Gasso“. Wirtschaftliche Grundlagen waren Hirse und Buchweizen, Reis konnte an den steilen Hängen nicht angebaut werden, die Seidenraupenzucht und das Pflanzen von Maulbeerbäumen. Man lebte sehr zurückgezogen. Erst in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts traten die Bewohner verstärkt in Kontakt zur Außenwelt, da waren aber schon viele Häuser nicht mehr vorhanden, man wollte ja ein moderneres Haus haben. Anfang der 90iger Jahre existierten gerade mal noch 25 Häuser dieses Typs und diese wurden unter strengen Schutz gestellt. Ähnlich den Bauernhaus Museen in Deutschland, wurden auch hier Häuser in einem Freilichtmuseum zusammengetragen und bleiben erhalten. Leider ist es jedoch so, dass außerhalb des Museums der Kommerz überwiegt und vieles dem Denkmalschutz geopfert wird.

Ich bin dann in den Bergen noch bis Matsumoto gefahren und dann war plötzlich die Luft raus. Ich brauchte eine Auszeit und so hab ich kurz entschlossen ein Zimmer in einem Ryokan für zwei Tage gebucht. Ein Ryokan ist ein traditionelles Gasthaus, an den meistens ein Onsen, ein Bad, gespeist von einer heißen Quelle, angeschlossen ist. Es sollte wohl eine Wissenschaft sein, war aber am Ende eine schöne, entspannende Angelegenheit.
Man kommt in das Gebäude und zieht erstmal die Schuhe aus. Die werden in ein Regal dort gestellt. Im Zimmer zieht man auch noch die bereitgestellten Pantoffeln aus und läuft barfuß.
Der Onsen hat sein eigenes Ritual. Nach Geschlechtern getrennt, bewegt man sich völlig nackt und wäscht sich erstmal an Sitzduschen und dann legt man sich in das 39 bis 40 Grad heiße Wasser und genießt die Entspannung, solange es einem gefällt.

Aber heute ist die schöne Zeit vorbei und der Alltag hat mich wieder.
Erstmal noch drei Welterbestätten immer Richtung Norden und dann vielleicht ein Treffen mit dem Neffen und seiner Frau, die nächste Woche einfliegen…………..

Auf Honshu nun wieder Nordwärts………

die Ostküste nach Süden war doch sehr reich mit Welterbestätten bestückt. Das ändert sich jetzt. An der Westküste sind die Stätten eher rar gesät. In Hagi gab es wieder einen Standort der Meiji Industrierevolution zu bewundern. Der frühe Schiffbau Mitte des 19. Jahrhunderts war hier stark. Nicht zuletzt wegen der Vorkommen von eisenhaltigen Sand, der hier verhüttet wurde um daraus u.a. Nägel für den Schiffbau zu fertigen.

Das Ziel am nächsten Tag war die Silbermine von Iwami. Vom 16. Jahrhundert an wurde dort Silber gewonnen. Das gewann erst an Schwung, als aus Korea ein neues Verfahren zur Abscheidung von Silber mittels Blei, das sog. Kupellationsverfahren, eingeführt wurde. Die Mine selbst ist nur zu erlaufen und man kann selbständig, ohne Führung die Mine besichtigen. – im Erzgebirge undenkbar – . Es stellte sich jedoch heraus, das es ein Stollen in gerader Richtung in den Berg ist, der auf der anderen Seite wieder herausführt. Es gibt eine schöne Bergarbeitersiedlung dazu, mit traditionellen Häusern und auch eine Einrichtung eines Hauses kann man bewundern.

Von Iwami aus bin ich dann quer über die Insel nach Yoshino, vorbei an Kobe und Osaka, gefahren. Viele Kilometer, nur weil ich in meiner Planung die Pilgerwege im Kii-Gebirge östlich von Nara nicht berücksichtigt hatte. Das hat mich sehr geärgert. Nun gut, zu dieser Stätte gehören die heiligen Orte Yoshino, Omine und Kumano Sanzan und Yoshino habe ich letztlich besucht. Eine Mischung aus Shintoismus und Buddhismus ist hier entstanden, die gut nebeneinander existiert. Viele der Stätten sind dabei miteinander durch Pilgerwege verbunden und auch die alten Hauptstätte Kobe und Nara gehören zu dem Wegenetz. In Yoshino kann man alte Shintoschreine und buddhistische Tempelanlagen besuchen. Einer dieser Tempel befand sich in einem tief eingeschnittenen Tal und beim Treppensteigen hörte ich schon mehrfach Töne wie aus einer Tuba. Es war ein junger buddhistischer Priester, der eine zum Blasinstrument umgebaute Muschel blies und dabei die am Wege liegenden Altäre reinigte. Auf Nachfrage durfte ich ihn fotografieren und er erklärte mir, das Buddha Schalentiere liebt, deshalb dieses Instrument.

Vorgestern war nichts aufregendes mehr. Haushalttag in Yokkaichi. Duschen, Wäsche waschen, die Welterbestätte Pilgerwege Posten und dann lange fahren bin Hakusan in den Bergen auf dem Weg zur nächsten Welterbestätte in Shirakawa. Alles Orte, von denen ich bis vor kurzem nicht mal im Traum dran gedacht hatte, einmal dort zu sein…….

PS von heute früh: irgendwas stimmt am Rechner nicht, sodass ich keine Bilder Posten kann, deshalb erstmal den Text ohne Bilder – leider –

PS 2: der Computer ist wieder heile und so sind jetzt hier auch Bilder zu sehen

Kyushu, die Südinsel……..

Ganz im Süden wollte ich anfangen und so bin ich, mit einer Übernachtung, bis zur Burg Nara gefahren. Sie war die letzte Bastion aufständischer Bauern Mitte des 17. Jahrhunderts. Der Aufstand begann wegen der hohen Abgaben, wandelte sich aber schnell zu einer christlichen Rebellion. Samurai Heere schlugen hier die Aufständischen und Masuda Tokisada der Führer der Aufständischen ist auch hier begraben.

An der Burg hatte ich dann meinen südlichsten Punkt der diesjährigen Reise bei 32.6289 Nord und 130.2530 Ost.

In Oura hat es eine Kathedrale, die Einzige in Japan, in Shitsun Village ein Nonnenkloster und in Ono eine katholische Kirche, alle samt Bestandteile der Welterbestätte „Versteckte christliche Stätten“. Es gibt noch einige andere Orte, die dazugehören. Diese befinden sich aber zum Teil auf Inseln oder sind so abgelegen, dass der Aufwand nicht lohnte.

In Nagasaki befindet sich auch noch eine Schiffswerft von Mitsubishi, graue Marineschiffe waren zu erkennen. Das machte es das Fotografieren etwas schwer, die nicht auf das Foto zu bekommen
Eine riesige Krananlage über dem Trockendock ist Bestandteil der Meiji Industrierevolution Stätte.

Nachdem das erledigt war, blieb im Norden der Insel noch die heilige Insel Okinoshima als Welterbestätte. Zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert gab es einen regen wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Japan, Korea und China. Man bestieg ein Schiff in Munakata ruderte an der 10 km entfernten Insel Oshima und später an der ca. 60 km entfernten Insel Okinoshima vorbei und erreichte in gerader Linie nach 145 km Busan in Korea. Die Leute die die Überfahrt wagten beteten in Okinoshima noch einmal und im Laufe der Zeit wurde die Insel zur heiligen Insel. Ein Priester lebt dort, ansonsten darf die Insel nicht betreten werden. Zum Fotografieren blieben mir nur die Hügelgräber des Munakata Clans und der Schrein, der auf dem Festland errichtet ist.
Nach einer Nacht an der Brücke von Kitakyushu , die die Süd- mit der Hauptinsel verbindet, war ich heute noch an den Resten einer alten Eisengießerei in Hagi, ebenfalls Bestandteil der Meiji Stätte.

Und jetzt bin ich gerade an der Westküste Japans unterwegs, weg von Städten und mal über Land. Da merkt man, es ist Pflanzzeit für den Reis. Viele Felder ordentlich bestellt. Das erledigt ein hochstelziges Gefährt ganz von allein. Der Bauer muss bloß geradeaus fahren und hinten werden die Pflänzchen gesetzt.

Und hier an der Raststätte, meinem Schlafplatz für heute, fuhr doch gerade ein Bus vorbei, der ganz groß ein Ampelmännchen auf den Seitenflächen hatte. Wie die wohl hier her kommen………

Hiroshima…….

Leute aus aller Welt, der Genbaku Dom, das zerbombte Gebäude der Industrieausstellung Nagasakis fürs Erinnerungsfoto umlagert, eine sehenswerte und sehr berührende Friedensausstellung. Angesichts der heutigen Verhältnisse kann man nur mit dem Kopf schütteln ob soviel Ignoranz der Geschichte gegenüber……….

Der 23.6. markiert aber auch einen Wetterumschwung. Stundenlanger Dauerregen, nur noch um die 20 Grad. Man muss Glück haben, bei Besichtigungen halbwegs trocken davon zu kommen.

Es gibt hier eine Kaikatsu Club genannte Einrichtung, die vermieten einen kleinen Büroarbeitsplatz und die Leute machen alles mögliche damit, einige arbeiten, manche Schlafen auch ungestört, Dart gibt es, Billard, Karaoke kann man tanzen, Wäsche waschen und eben auch duschen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, Parkplätze meist auch und für die Zeit, die ich zum Duschen benötige bezahle ich so um die 2,80 € umgerechnet. Besser geht es nicht, Handtücher, Seife, Shampo, alles mit dabei. Das gönn ich mir 3 mal die Woche und fühle mich wohl dabei.

Gleich bei Hiroshima liegt die Insel Miyajima. Dort gibt es mit dem Itsukushima Schrein das bekannteste Heiligtum Japans. Das O Tori Tor ist eine der drei am meisten fotografierten Orte Japans. Shintoismus ist in Japan eine aus der Urzeit überkommene Verehrung landschaftlicher Objekte, die mit menschlichen künstlerischen/ handwerklichen Bemühungen zu einem schönen Ort gestaltet werden. Auf der Insel ist das der Berg Mese vor dem der Schrein errichtet wurde, vor dem wiederum das Meer liegt.
Auch hier hatte ich Glück, schon während der Fährüberfahrt hörte es auf zu regnen. Und immer wieder: Touristen aus aller Welt, ein vernünftiges Foto war kaum zu machen. Das O Tori Tor war trocken gefallen und man konnte bis zu ihm laufen. Das deutsche Prospekt verhieß Glück, wenn man unter dem Tor eine Muschel finden würde – und siehe da, es sind sogar zwei geworden.

Mit dem Schrein ist meine Mission an der Südseite der Inseln Honsu und Shikoku beendet und ich hab nun zwei Fahrtage um die Insel Kyushu zu erreichen. Dort gibt es zwei Stätten, zum einen während der Zeit des Verbotes versteckte christliche Gemeinden und die Orte der Meiji Industrierevolution und dann will ich an der Westseite Japans wieder Richtung Norden fahren….

Und immer weiter südwärts der Nase nach………..

Nach Nara war die nächste Station Ikaruga, eine weitere Stadt in dem riesigen Konglomerat um Osaka. Hier sind die ersten buddhistischen Klöster auf japanischen Boden entstanden. Einmal das Kloster Horyu-ji und das Kloster Hokki-ji. Letzteres ist ziemlich klein und erinnert an die Anfänge im 7. Jahrhundert. Idyllisch gelegen, ein schöner Garten dazu und noch garnicht monumental.
Horyu-ji ist wesentlich größer, gliedert sich in einen West- und in einen Ostteil. Der Westteil ist zuerst entstanden und beherbergt mit der siebenstöckigen Pagode das älteste, noch vollständig erhaltene Holzgebäude der Welt. Der Ostteil beinhaltet Gebäude, die einem wesentlichen Förderer des Klosters, Prinz Shotokus geweiht sind. Kloster Horyu-ji wird stark touristisch frequentiert, während Hokki-ji eher verträumt daherkommt.
Der Rundgang in Horyu-ji ist stark reglementiert. Es gibt einen Plan, auch auf deutsch, in dem der Rundgang eingezeichnet ist und die allenthalben präsente Aufsicht achtet sehr auf die Einhaltung. Beim studieren des Planes bin ich mehrfach aufgefordert worden, doch nun endlich mit dem Rundgang zu beginnen. Das hat genervt……. Es war auch sehr warm, die Sonne hat es gut gemeint und ich war froh, mich abends ein bisschen im Schatten verkriechen zu können.

Am Tag habe ich mal Bauarbeiter beobachtet. Die liefen in der prallen Sonne mit einer Art Wattejacken rum. Ich dachte, die sind ja hart im Nehmen. Bei genauerer Betrachtung war da aber ein Lüfter eingebaut. Sachen gibt’s…..

Andern Tags, vorgestern, sollte es mit der Hitze noch verrückter werden…..
In Sakai, ebenfalls eine Stadt im Osaka Konglomerat, wurden beispielhaft Kofun aus über 160.000 solche Anlagen in ganz Japan ausgewählt. Kofun sind einfach Grabhügel, meist für hohe Persönlichkeiten aus der Zeit vom 3. bis zum 6. Jahrhundert. Erst rund entwickelten sie sich über quadratisch hin zu schlüssellochförmigen Anlagen. Der größte ist der Daisenryo Kofun von Kaiser Nintoku, mit 320.000 qm Fläche das größte Einzelgrab der Welt.
Leider hat man keine Vorstellung von der Anlage, wenn man sie nur vom Boden aus sieht und betreten darf man sie auch nicht. Im Welterbezentrum sind deshalb Luftaufnahmen zu sehen.
Ich hatte das große Glück, dass in der Nähe dieser Kofun eine Firma einen Ballon betreibt, der vielleicht 50m hoch über den Boden ein Bild von dem Kofun bietet – und so bin ich noch zum Ballonfahrer geworden, hätte ich mir auch nicht vorstellen können……..
Dafür vermitteln die Bilder nun doch einen Eindruck von einem Kofun.

Die Hitze an diesem Tag war mit 32 Grad dann doch beträchtlich und so hab ich den nächsten Tag mit wenig machen verbracht. Lediglich die Texte zu den beiden Welterbestätten hab ich geschrieben und gepostet, ach ja, geregnet hat es mal in Strömen, sodass es nicht ganz so warm war, eine Wohltat……

Heute ging´s dann früh raus, Himeji-jo lag am Weg, eine Burg, im wesentlichen Anfang des 7. Jahrhunderts erbaut. Sie war bis 1868 Zentrum eines regionalen Fürstentums und verlor danach ihre Bedeutung. Heute ist sie die schönste Burg Japans und hat den Titel „Weißer Reiher Burg“ auf Grund ihres Aussehens. Das hat die Stadtverwaltung aufgegriffen und hat ihre Gullydeckel mit weißen Reihern geschmückt.

Was gibt es noch zu berichten? Gewaschen hab ich das erste Mal. In öffentlichen Waschsalons ist das denkbar einfach: Programm auswählen – ich hab geraten! Wäsche rein und Geld einwerfen und dann geht’s schon los. Waschmittel ist schon drin und trocknen tut die Maschine auch noch. Nach einer Stunde ist alles fertig.
Einkaufen ist auch bisschen anders. Die Kassiererin scannt, legt die Sachen in einen neuen Korb und stellt diesen zu einer Bezahlmaschine. Dort wählt man aus, wie man bezahlen möchte, die haben hier tausend verschiedene Karten, oder eben bar. Nach dem bezahlen bekommt man seinen Bon und kann alles einpacken. Bisschen anders aber es geht schneller.

Nun hab ich Hiroshima vor der Brust, das wird eine ernste Angelegenheit……….

die Region Osaka……

nach einem Zwischenstopp in Nagova bin ich am 14.6. in Kyoto angekommen. Osaka ist nicht nur eine Stadt sondern ein ganzes Konglomerat von Städten. Eine Stadt reiht sich an die Andere und als Nichteinheimmischer kann man das kaum auseinander halten. Und so gehört zu der Region neben Osaka auch Kyoto, Nara und Kobe und viele andere Städte.

Kyoto, hier fand eine UN Klimakonferenz statt, war ab 794n.Chr. über 1000 Jahre Haupt- und Kaiserstadt Japans und hat die Geschicke des Landes nachhaltig geprägt. Und so sind vorwiegend Sakralbauten und die Burg Welterbe. Will man sie besuchen, das trifft übrigens auf alle zu, sollte man spätestens 9:00 da sein. Nach 10:00 bricht die Besucherlawine das über die Stätten herein. Ob hier schon Ferien sind, kann ich nicht sagen. Touristen aus der ganzen Welt kommen noch dazu.
Mein Problem bei hiesigen Welterbestätten ist, dass sie aus vielen Einzelstandorten über die ganze Stadt verteilt sind. Ich muss also eine Auswahl treffen und trotzdem gibt es viel Fahrerei.

Am zweiten Tag, den 15.6. hab ich alles abgefahren aber als es soweit war für mich, hatte die Burg schon geschlossen. Das musste für den nächsten Tag bleiben.

Geschlafen hab ich zwei Nächte auf einem Berg oberhalb von Kyoto. Viel Platz, eine schöne Aussicht, das hat nicht nur mir gefallen. Bis Nachts um 1.00 jede Menge Leute. Es ging aber ruhig und gesittet zu, nur die Motoren stundenlang laufen zu lassen und dabei am Handy zu spielen, Filme zu gucken oder zu quatschen, es ist hier eben so.

Ein langzeitreisendes Pärchen in Elternzeit aus Bayern habe ich hier getroffen und wir haben lange gequatscht.
Gewundert hab ich mich, dass viele Leute einfach so ein paar Stunden oder auch die ganze Nacht im Auto schlafen. Die Fenster zu gehangen oder auch nicht. Das habe ich das letzte mal so in Amerika erlebt.
Ansonsten ist das Camperleben hier nicht sehr konfortabel. Es sind auf einschlägigen Portalen eher Parkplätze oder Autobahnraststätten verzeichnet. Das ist an sich nicht schlecht da immer eine Toilette und meist auch eine Dusche in der Nähe sind, der fehlende Schatten ist manchmal schon ein Problem angesichts von um die 30 Grad täglich. Dann heißt es, den Camper abstellen und sich in kühle Räume flüchten.

Jedenfalls hat man von da oben eine gute Aussicht auf Kyoto und die anderen Städte.

Vor Kyoto war Nara für fast ein Jahrhundert die Hauptstadt Japans. In dieser Zeit konnte sich das Kaisertum nachhaltig in Japan etablieren. Einige Tempel und das Ruinenfeld des ehemaligen Kaiserpalastes sind erhalten. Hier war die Auswahl nicht ganz so groß und so konnte ich das heute abschließen.
Nara ist berühmt für seine zahmen Hirsche in der Stadt. Es gibt zwar einen große Park wo die meisten Hirsche zu finden sind, aber im Stadtgebiet um den Park findet man immer wieder mal welche auf der Straße. Die sind nicht scheu und alle nehmen Rücksicht und so kommt Mensch und Hirsch eigentlich gut miteinander aus.
Das Problem ist nur, die Hirsche werden gefüttert, überall stehen Frauen und verkaufen eine Art Kekse. Und wenn die Touristen unterwegs sind irren die Tiere umher, verlieren den Anschluss zur Herde und betteln alle um Fressen an. Das finde ich nicht schön. Merkblätter der Stadt verbieten das Füttern zwar, aber man macht ein Geschäft draus.

Da fallen mir noch ein paar alte Bekannte ein, die ich von zu Hause kenne:
Sperlinge hab ich gesehen, Bachstelzen, Raben jede Menge. Von den Pflanzen sind mir Beifuß aufgefallen, Farne gibt es auch, Kirschen sowieso und schmal- und breitblättriger Wegerich.

Ich bin also nicht alleine hier……….

auf in den Süden…

die erste Nacht war herrlich ruhig und das Abenteuer konnte beginnen.

Die Richtung war mir klar, es sollte nach Süden gehen. Zum Einen sind dort die meisten der Welterbestätten Japans, zum Anderen haben mir die Berichte des Neffen, der schon zweimal hier mit dem Camper unterwegs war gezeigt, es wird richtig warm hier.
Die Basis des Vermieters liegt in Narita, das ist östlich von Tokio. Man kann durch Tokio gurken um Richtung Süden zu kommen oder die Brücke über die Tokiobucht südlich von Narita nehmen.
Das habe ich getan und so konnte ich die Fahrt entspannt fortsetzen.
Vom Osten kommend ist der erste Teil Brücke, die an einer Raststätte endet. Von dort aus ist die Bucht untertunnelt um den Schiffsverkehr nicht zu behindern und eine so hohe Brücke wollten die Japaner wohl nicht bauen. Essen und vergnügen kann man sich hier und hat außerdem einen phantastischen Blick über die ganze Bucht, die eingerahmt wird von einem einzigen Moloch aus Großstädten und Industriegebieten.
Fährt man durch den Tunnel, kommt aber nicht aufs platte Land sondern stößt auf zwei weitere Großstädte, Kawasaki und Yokohama.

Nach der Fahrt waren erstmal ganz grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Wasser gibt’s an jeder Toilette, die unheimlich sauber, immer kostenlos und an jedem Parkplatz zu finden sind.
Aber Einkaufen!! Läden findet man viele, jedoch wird man überwältigt, wenn man diese betritt. Plastik über Plastik, alles ist nochmal eingepackt, Ansichtskarten genauso wie das meiste Obst und Gemüse oder eben schlicht auch alle anderen Lebensmittel. Wenigstens in teuren Supermärkten gibt’s Obst und Gemüse frisch.

Gefahren wird sehr rücksichtsvoll, wenngleich die vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten wohl eher als Empfehlungen betrachtet werden. Tanken war ich auch schon, ca. 95 Cent für Super bleifrei – geht. Deswegen lassen die hier auch manchmal lange die Motoren laufen.

100 km von Tokio entfernt ist das Gebiet des Fuji, des Heiligen Berges der Japaner. Natürlich darf der auf der Liste der Welterbestätten Japans nicht fehlen. Alles an diesem Berg ist heilig: fünf der Seen, die den Berg im Tal umgeben genauso wie viele heilige Teiche. Uralte Wohnstätten gibt es, Lavahöhlen die während vulkanischer Aktivitäten entstanden sind und mehrere heilige Schreine, die um den Berg herum Ausgangspunkt von Pilgerwegen auf den Berg sind. Auch eine Eisenschmelzhütte aus dem 18. Jahrhundert habe ich schon besucht, die Teil einer Stätte zu Zeugnissen der frühen industriellen Entwicklung Japans ist.

Heute ist das Wetter ausgezeichnet freundlich, der Camper ist ein bisschen wie ein Backofen, hat aber zum Glück einen Kühlschrank für das Essen. Überhaupt ist das Fahren mit dem Camper hier ganz anders als ich es gewohnt bin. Kaum Parkplätze Überland und in den Städten wird jedes Fitzelchen Land genutzt. Selbst Bauland wird landwirtschaftlich genutzt, wenn es noch nicht bebaut ist. Und für Autos gibt es prinzipiell keinen Schatten, die haben ja eine Klimaanlage

Ich sitze gerade im MC Donald, meiner Amerikareise seligen Angedenkens und staune über die Unterschiede:
in der Küche permanente Hektik, das Essen das Gleiche, wie könnte es anders sein, aber kein Internet, man muss sich einen Account erstellen, für mich in japanisch ein nogo. Die sehen mich da nie wiede

Nach dem Fuji, der übrigens so freundlich war, mir sein Haupt zu zeigen, kommen die nächsten Welterbestätten erst wieder in Osaka und dann aber gleich 5 Stück. Aber dazu muss ich erstmal dort sein und das dauert. Ist nämlich ein ganzes Stück zu fahren.

mal sehen………….

Japan……..

nachdem es vergangenes Jahr mit dem Camper mieten nicht geklappt hatte, war ich dann schon im November aktiv und konnte mir einen Camper sichern.

Von Heute ab bis zum 21.Juli werde ich nun durch Japan fahren um mir die Welterbestätten anzusehen. Nach ein paar Tagen in Tokio fliege ich am 25.Juli nach Seoul um in Südkorea ebenfalls die Welterbestätten zu besuchen. Den Camper gebe ich am 25.August zurück und fliege am 2. September heim, so der Plan…

Wie immer, wird’s bestimmt unterwegs jede Menge Überraschungen geben, mal sehen……..

Eigentlich ging es in Frankfurt am Flughafen schon los:
Vor mir in der Schlange drei junge Leute, die mir beim Rucksack einpacken geholfen haben. Das Mädchen aus der Mongolei hatte in Deutschland ein FSJ absolviert und flog endgültig heim. Die Jungen haben sie „nur“ begleitet, einer aus Mexiko, der andere aus Chile. Beide studieren hier in Deutschland und wollen auch bleiben – Lebensläufe gibt es….

Die größte Überraschung war für mich aber die Mongolei. Der Zwischenstopp nach 8 Stunden Flug, größtenteils über Russland, in Ulaan Batoor hat mir gezeigt, dass die Mongolen eine Art kyrillisches Alphabet nutzen, paar eigene Buchstaben gegenüber der russischen Variante, aber einiges konnte ich zumindest erraten. Und Gobi, eine einheimische Firma, verkauft im internationalen Teil des Flughafens allerfeinstes Kaschmir – ein Traum.

Die Einreise in Japan ging fast von alleine. Ich hatte vorher auf einer Seite des Außenministeriums deren wenige Fragen beantwortet und die persönlichen Angaben hinzugefügt. Der damit erzeugte QR Code macht die elektronische Einreise quasi zum Kinderspiel.

Der Campervermieter hat mich vom Flughafen abgeholt und nach einer Nacht in seinem Gästehaus war heute früh die Fahrzeugübergabe und nun verbringe ich meine erste Nacht in Japan auf einem Parkplatz am Wasser mit einem herrlichen Blick auf die Skyline von Tokio……..

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